Erdöl


Erdöl ist der Motor der Weltwirtschaft. Ganz gleich, ob Transportsektor, produzierendes Gewerbe, Kunststoffherstellung oder Energiegewinnung, ohne Erdöl läuft kaum etwas. Die Frage danach, wie lange die Erdölreserven noch reichen, stellt sich dabei ganz von selbst. Das ist tatsächlich eine spannende Frage, denn die Antwort hängt von zahlreichen Faktoren ab und ist bei weitem nicht mehr so eindimensional beantwortbar, wie es einst der Club of Rome getan hat.

Erdölreserven verändern sich dynamisch


Schätzungen aus den 1970er-Jahren zur Folge ginge uns das Erdöl bereits in einigen Jahren aus. Seit dieser Zeit ist aber einiges passiert. Allein zwischen 1980 und 2014 haben sich die Ölreserven gut verzweieinhalbfacht. Wie aber kann das sein, wenn die Menschheit Tag für Tag mehr Öl aus dem Boden fördert und verbraucht? Nun, das liegt daran, dass die Schätzung der Reserven eines Ölvorkommens bei seiner Entdeckung vorgenommen wird. 
Damit spielt neben dem Stand der Fördertechnologie auch die Wirtschaftlichkeit der Förderung bestimmter Ölvorkommen eine Rolle. Durch Neubewertungen, die mitunter erst nach Jahrzehnten stattfinden, kann sich die Reservemenge ein und desselben Ölfelds also deutlich erhöhen oder senken. Hinzu kommen natürlich auch neu entdeckte Ölvorkommen. Das können sowohl leicht förderbare Vorkommen konventioneller Art oder unkonventionelle Ölvorkommen wie Ölschiefer, Ölsände oder Tiefseeerdöl sein.

Klassifizierung der Ölreserven nach Förderbarkeit


Um die Ölreserven genauer einschätzen zu können, unterscheidet man hier zwischen "nachgewiesenen Reserven", "wahrscheinlichen Reserven" und "möglichen Reserven". Bei nachgewiesenen Reserven (F95) handelt es sich um Erdöl, das mit den heutigen technologischen Mitteln mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 95 Prozent aus der Erde gefördert werden kann. 
Die genaue Definition unterscheidet sich allerdings von Staat zu Staat. Während Saudi-Arabien beispielsweise alle durch Exploration entdeckten Vorkommen zu den nachgewiesenen Reserven zählt, gelten in den USA nur die Reserven als nachgewiesen, die in Kontakt mit in Betrieb befindlichen Bohrlöchern stehen. Die wahrscheinlichen Reserven (F50) hingegen umfassen Erdöl, das einer Förderwahrscheinlichkeit von 50 Prozent unterliegt. In die Kategorie der möglichen Reserven (F5) hingegen Fallen Vorkommen, die mit dem Stand der heutigen Technologie mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 Prozent gefördert werden können. 

Für die Schätzung der Ölreserven eines Landes, wird aus allen drei Werten ein Durchschnitt gebildet. Das ändert aber nichts daran, dass es sich weiterhin um einen Schätzwert handelt, der sich ändert, wenn der Ölpreis steigt oder sinkt. Steigt der Preis pro Barrel nämlich, werden auch kostspielige Förderverfahren in der Tiefsee attraktiv. Stürzt der Ölpreis dagegen ab, wird die Förderung schwer erreichbarer Vorkommen ein Verlustgeschäft.

Wie hoch sind die bestätigten Ölreserven?


Unter Berücksichtigung des Ölpreisniveaus, der aktuellen Fördertechnik und der gegebenen Erdölnachfrage beziffern sich die globalen Reserven Stand 2014 auf 1.700,1 Mrd. Barrel. Davon entfallen rund 810 Mrd. Barrel auf den Mittleren Osten, 330 Mrd. Barrel auf Süd- und Mittelamerika sowie 230 Mrd. Barrel auf Nordamerika. Nach aktuellen Zahlen des Bundesverbands für Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) liegt die Reichweite des Erdöls unter den heutigen Voraussetzungen noch bei 140 Jahren. 
Mit dem technologischen Fortschritt und einem steigenden Bewusstsein für Ressourceneffizienz könnte die Reichweite trotz der weltweit steigenden Nachfrage künftig dennoch weiter steigen. Problematisch ist allerdings, dass damit vermutlich auch immer größere Umweltgefahren einhergehen, weshalb Ressourcenschonung auch heute schon ein wichtiges Thema ist.

So viel Öl verbraucht die Möbelproduktion weltweit


Erdöl wird entweder in Reinform oder in Gestalt von Erdölprodukten in nahezu jedem Wirtschaftszweig verbraucht. Die weltweite Möbelproduktion ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Alleine in China stieg der Verbrauch von Erdöl und Erdölprodukten in der Möbelherstellung von 79.500 Tonnen im Jahr 2002 auf 127.400 Tonnen im Jahr 2015. In Anbetracht der Tatsache, dass China mit einem Weltmarktanteil von aktuell rund 39 Prozent der mit Abstand größte Möbelproduzent ist, ergibt das für die globale Möbelproduktion einen geschätzten Verbrauch von 326.667 Tonnen an Erdölprodukten. 

Die Menge des dafür aufgewendeten Erdöls liegt natürlich deutlich höher, zumal nur ein kleiner Teil des Erdöls in der Möbelproduktion selbst verbraucht wird. Hinzu kommt ebenfalls der Verbrauch von Zulieferindustrien wie Kunststoffproduzenten, Farbherstellern und Metallbauunternehmen. Da die Zahl aber auch so schon beeindruckend ist, liegt es auf der Hand, dass wir auch in dieser Hinsicht Ressourcen schonen können. So zum Beispiel durch das Möbelrecycling und den Kauf gebrauchter Möbel.


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